Steffens Handballkolumne

Langweilig ist definitiv anders. Wer glaubt, er könne eine sichere Wette in der 2. Bundesliga platzieren, hat sich gewaltig getäuscht. Aufsteiger schlägt Absteiger, Spitzenreiter spielt Unentschieden gegen eine Mannschaft aus dem Mittelfeld. Genau das zeichnet die 2. Bundesliga der Frauen aus. Während es in der 1. Liga bisher wenig Überraschendes gab, zeigt sich die 2. Liga umso bunter.

Es klingt schon etwas verrückt, wenn das Team aus Rosengarten knapp in Rödertal verliert, jedoch im Pokal das Erstliga-Team aus Zwickau nach Belieben beherrscht. Es zeigt auch, dass die Unterschiede zwischen den Teams der unteren Tabellenhälfte in Liga eins zur Liga zwei nicht so groß sind. Vor Saisonbeginn waren meine persönlichen Aufstiegskandidaten ins Oberhaus des deutschen Handballs die Frauen aus Solingen und das Team aus Göppingen. Analysiert man die Ergebnisse zum heutigen Tag, bin ich mit meinem Tipp nicht weit weg. Göppingen führt souverän die Tabelle an und wird in diesem Jahr wohl nicht zu stoppen sein. Das Team von Kerstin Reckenthäler aus Solingen hat sich nach zwei Ausrutschern gefangen und schleicht sich langsam an die Tabellenspitze. Viel Freude macht mir das Team aus Leipzig, welches bei vielen Experten ein Geheimtipp zum Aufstieg geworden ist. Obwohl Leipzig dies wohl erst für die Saison 2023 / 2024 ins Auge fasst hat und der Vorstand es noch gar nicht gerne hören möchte. Trainer Fabian Kunze leistet hier eine tolle Arbeit. Trotz größerer Verletzungssorgen rangiert der Club weit in der oberen Hälfte. 

Der seit drei Jahren selbst ernannte Aufstiegskandidat Spreefüxxe Berlin reiht sich zurzeit ins Niemandsland der Tabelle ein. Nach einer starken Saison 2020/2021 und einer äußerst knapp verlorenen Relegation scheint den Spreefüxxen allmählich die Puste auszugehen. Der Absteiger des letzten Jahres Buchholz/ Rosengarten wollte sich in dieser Saison mit einer jungen Mannschaft in der 2. Liga konsolidieren und wieder zu alter Stärke zurückfinden. In dieser Saison mussten sich die Luchse nur dem HC Leipzig und Rödertal geschlagen geben. Nach der eigenen Planung liegen sie ausgezeichnet im Rennen.

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Ganz leise, still und heimlich hat sich das Team von Csaba Szücs ein weiteres Jahr in die obere Region der Tabelle gespielt. Natürlich kommen für Regensburg jetzt die dicken Brocken, aber die Spielweise finde ich beachtenswert und interessant. Ich halte weiter meine Wette, dass wir am Ende der Saison Göppingen und Solingen auf den Plätzen eins und zwei erleben werden. Die folgenden Plätze werden Regensburg, Buchholz/Rosengarten und Leipzig unter sich ausmachen. Wir werden weiter eine spannungsreiche Saison mit vielen kleinen Überraschungen und tollen Frauenhandball in den Hallen erleben. Ich freue mich darauf!

Im DHB Pokal gab es auch in dieser Runde Spannung und eine faustdicke Überraschung. Für Spannung sorgte das Team aus Lintfort, welches verletzungsbedingt, mit seinem Team in einen Kleinbus passend, an die polnische Grenze fuhr. Die Mannschaft um Trainerin Grenz-Klein konnte sich erst in den letzten fünf Spielminuten vor rund 300 Zuschauern gegen den Frankfurt HC durchsetzen. 

Die Überraschung gab es in Zwickau. Erstaunlich fand ich dabei, dass dem Erstliga-Team unter Trainer Norman Rensch keine Mittel gegen die hervorragend aufgelegte Abwehr mit herausragender Torhüterleistung aus Buchholz/Rosengarten einfielen. Selbst in Situationen mit doppelter Unterzahl blieben die Gäste aus dem Norden erfolgreich. Trainer Dubravko Prelcec vom Zweitligisten stellte sein Team perfekt auf die Zwickauer ein. Das Spiel ging für den Erstligisten mit sechs Minus deutlich verloren. Kurz vor dem Finale-Four haben es noch zwei Mannschaften aus Liga zwei in die Runde der letzten Acht geschafft. Ich drücke den Außenseitern natürlich die Daumen.

Der langjährige Sportdirektor, Nachwuchs- und Frauenassistenztrainer sowie spätere Leiter und Mentor des Elitekaderprogramms, Wolfgang Sommerfeld, sagte „Servus“. An dieser Stelle: ein dickes Dankeschön! Meine große Hoffnung ist, dass in diesem Abschied ein neuer Anfang wohnt. Zu wünschen wäre, dass wir nach dem Abschneiden bei den letzten internationalen Meisterschaften alle Bereiche genauer unter die Lupe nehmen und neue, moderne und erfolgreiche Ansätze finden.

Nächste Woche werde ich mir anschauen, wo die Mädels der Nachwuchsauswahl-Mannschaften in den Bundesligen geblieben sind und was zukünftig mit der 3. Liga passiert.

Euer Steffen!

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