Foto: Instagram/Angela Malestein

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Die ehemalige Bundesligaspielerin und Weltmeisterin Angela Malestein hat sich gegenüber dem WDR über ihre Zeit unter Cheftrainer André Fuhr geäußert. Die Niederländerin berichtet nicht nur über die Methoden des Trainers, sondern kritisiert auch die Entscheidungsträger der Vereine. Malestein bezeichnet ihre Zeit bei der HSG Blomberg-Lippe als die schwerste ihrer gesamten Handballkarriere.

Immer mehr Spielerinnen äußern sich über die Vorfälle um den ehemaligen BVB-Trainer André Fuhr. Nachdem Angela Malestein vor einigen Tagen bereits in ihrer Instagram Story einige Andeutungen gemacht hatte, hat sich die Weltmeisterin von 2019 nun gegenüber dem WDR ausführlich geäußert. Malestein spielte von 2012 bis 2014 für die HSG Blomberg-Lippe. Der damalige Cheftrainer: André Fuhr. Im Interview mit dem WDR schildert die Handballerin zahlreiche Vorfälle, die kein gutes Licht auf Fuhr und die HSG Blomberg-Lippe werfen. 

„André Fuhr hat mir jeden Tag gesagt, wie schlecht ich sei. Aber ich habe immer gespielt. Und dann hatte ich mal ein schlechtes Spiel, und ich war 18-19, wollte immer gut spielen, und ich habe auch gar keine Probleme, wenn ein Trainer mir sagt, was ich besser machen soll, oder wenn er sagt, Du warst schlecht. Aber das ging zu weit in der Kabine. Du gehst halt mit hängenden Schultern nach Hause“, berichtet Malestein dem WDR. Weiterhin ergänzt sie: „Ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Da gab es zwei ausländische Nationalspielerinnen, die wurden behandelt wie schwarze Schafe, die wurden dauernd angeschrien und haben fast bei jedem Spiel geweint. Ich werde das nie vergessen: Wir hatten ein Vorbereitungsspiel gegen Rosengarten, wir fangen schlecht an, kommen zur Halbzeit in die Kabine, und der schreit uns mit allem an. Ich weiß die Worte nicht mehr ganz genau, aber selbst die Zuschauer haben ihn noch gehört. Und dann kickt er eine Wasserflasche gegen den Kopf einer Spielerin.“

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Die niederländische Rechtsaußen erzählt dem WDR auch, wie André Fuhr seine Spielerinnen kontrolliert haben soll: „Und er hat auch immer kontrolliert, ob ich zu Hause war oder hat seine Freundin, die auch bei uns in der Mannschaft gespielt hat, zu mir geschickt, um zu wissen, was ich mache. Das gehörte auch noch dazu, diese Kontrolle.“ Neben Fuhr, kritisiert Malestein aber auch HSG-Geschäftsführer Torben Kietsch: „Es fragt sich, wie konnte das so lange so weitergehen? Der Trainer, Geschäftsführer und Hauptsponsor waren beste Freunde. Er wickelt die Leute um den Finger. Dann hat er auch immer seine zwei, drei Lieblingsspielerinnen gehabt, die ihm auch immer alles weitersagen. Torben Kietsch hat alles mitbekommen. Die Stellungnahme, die der Verein jetzt nach dem SPIEGEL-Artikel veröffentlicht hat, ist in dem Punkt nicht korrekt.“

Zerbrochen ist Angela Malestein trotz der Erlebnisse nicht. Nach ihrer Zeit beider HSG Blomberg-Lippe ging es für sie steil bergauf. Mit der SG BBM Bietigheim gewann die Niederländerin die deutsche Meisterschaft. Seit 2020 steht Malestein beim FTC Budapest unter Vertrag und wurde dort ungarische Meisterin und Pokalsiegerin. Erst in der vergangenen Saison wurde sie zur besten Rechtsaußen der Champions League gewählt. In ihrer niederländischen Heimat gilt die Handballerin schon längst als Star und sammelte mit dem Nationalteam unzählige Medaillen. 2019 krönte sich Angela Malestein zur Weltmeisterin und das, obwohl ihr damaliger Trainer André Fuhr sie für „zu schlecht“ hielt.

Hier geht es zum Interview: https://www.sportschau.de/handball/interview-malestein-100.html

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