Foto: SG Friedrichsfehn/Petersfehn

Seit einigen Wochen ist frauenhandball.com stolzer Partner der SG Friedrichsfehn/Petersfehn. Die SG Fri/Pe ist ein Oberligist aus dem Norden Deutschlands und leistet seit vielen Jahren eine hervorragende Arbeit im Frauenhandball. Da wir gerne die Vereine unterstützen, die unweit unserer Redaktion beheimatet sind, freuen wir uns sehr über diese Kooperation. Die 1. Damen der SG Fri/Pe machen uns nicht nur auf der Platte Spaß, sondern auch in den sozialen Netzwerken. Ein Besuch auf Instagram lohnt allemal. Im Zuge der Zusammenarbeit könnt ihr hier nun ein Interview mit Elias Wührmann lesen, der aktuell als Cheftrainer der SG Fri/Pe fungiert.

Im Schatten der Bundesligavereine tragen meist kleinere Vereinen einen wichtigen Teil dazu bei, dass Jahr für Jahr talentierte Handballspielerinnen die nächsten Schritte in ihrer Entwicklung gehen können. Die Basis des Frauenhandballs ist fest in den örtlichen Turnhallen und Sportstätten unseres Landes verankert. In den vergangenen Tagen haben wir uns mit einem Trainer unterhalten, der aktuell eine Mannschaft aus der Oberliga Nordsee trainiert. Elias Wührmann ist aktuell Coach der SG Friedrichsfehn/Petersfehn und mittlerweile gut ein Jahr im Amt. Im Gespräch mit frauenhandball.com spricht Wührmann nicht nur über den Saisonstart seines Teams, sondern auch über die wichtige Jugendarbeit des Vereins. Darüber hinaus macht der Coach auch unmissverständlich klar, dass solche Vorfälle wie in Dortmund, im Sport und in der Gesellschaft keinen Platz haben dürfen. 

Elias, fünf Spiele und 6:4 Punkte. Wie bewertest du den Saisonstart?

Wir haben einen guten Start in die Saison hingelegt, daher bin ich absolut zufrieden. Auch die beiden verlorenen Spiele waren leistungsmäßig in Ordnung. Es waren enge Spiele, die auch anders hätten ausgehen können. Man hat gesehen, dass viele Dinge schon gut funktionieren. Wir haben einige Neuzugänge, sodass sich natürlich auch noch alles ein wenig finden muss. Uns war klar, dass nicht sofort alles klappen wird. Die Mannschaft hat eine überragende Trainingsmoral, sodass wir uns weiterentwickeln werden und dann in Zukunft noch konstanter unsere Leistung abrufen können.

In der vergangenen Saison habt ihr lange Zeit „oben“ mitgespielt. Was habt ihr euch für die kommenden Wochen als Ziel gesetzt?

Natürlich gehen wir immer mit der Einstellung ins Spiel, dieses auch gewinnen zu wollen. Die Oberliga Nordsee hat dieses Jahr viele tolle Spielerinnen und gute Teams zu bieten. Wir wollen im oberen Feld mitmischen und möglichst viele Spiele gewinnen. Hier muss man sich aber stetig weiterentwickeln und sowohl auf als auch neben dem Feld einen guten Zusammenhalt haben. Daher steht für uns die handballerische Weiterentwicklung an erster Stelle. Daneben kommt der Spaß im Team nie zu kurz. Die Begeisterung am Sport macht diese Mannschaft sehr stark. Daher freue ich mich schon sehr auf die anstehenden Herausforderungen.

Elias Wührmann: „Ich bin sehr glücklich darüber, im letzten Jahr selbst ein Teil der Fri/Pe-Familie geworden zu sein.“

Mit dem TV Oyten gibt es in der Oberliga sicherlich den einen klaren Favoriten. Wie bewertest du das Duell um den möglichen Aufstieg und das Niveau der Liga generell? 

Ich hebe ungern einzelne Mannschaften hervor, weil ich großen Respekt vor allen Teams in dieser Liga habe. Sicherlich gibt es einige Klubs, bei denen die Voraussetzungen sehr gut sind, um den Sprung in die 3. Liga (wieder) zu schaffen. Wir konzentrieren uns vor allem auf unser Spiel und wollen immer das Maximum aus uns herausholen. Gerade der Saisonstart zeigt recht deutlich, dass die Ergebnisse sehr wechselhaft sind und jeder jeden schlagen kann. Ich gehe daher von einer äußerst spannenden Oberliga-Saison aus. Am Ende wird das beste Team aufsteigen. Ich bin gespannt, wer sich durchsetzen wird.

Schaut man sich die Dichte der Vereine hier in der Region an, so gibt es natürlich mit dem VfL Oldenburg und Werder Bremen zwei größere und ambitionierte Klubs. Wie schwer ist es für euch als Verein, überhaupt Spielerinnen und Talente zu bekommen, wenn die Konkurrenz so „groß“ ist?

Natürlich können wir mit der Strahlkraft solch großer Namen nicht mithalten. Aber das ist auch nicht unser Ziel, denn die Fri/Pe-Familie hat einen besonderen Zusammenhalt. Wir sind stolz darauf als „kleiner“ Verein in der Oberliga mitzuspielen. Die Begeisterung ist im gesamten Verein zu spüren. Sowohl im Jugend-, als auch im Seniorenbereich gibt es unglaublich viele motivierte und engagierte Menschen. Jede einzelne Person trägt dazu bei, dass wir es als Verein es schaffen, dass sich alle Spielerinnen bei uns sehr wohlfühlen. Diese Werte und Überzeugungen sind nicht überall so zu finden. Deswegen bin ich auch sehr glücklich darüber, im letzten Jahr selbst ein Teil der Fri/Pe-Familie geworden zu sein. Wir haben viele tolle Aktionen im Verein. Es gibt gerade im Jugendbereich ganz viele Ideen, die auch umgesetzt werden: Altersübergreifende Fördertrainings, spezielles Torwarttraining, Handballcamps. Dies ist auch über die Grenzen des Vereins hinaus bekannt und hilft enorm bei der Suche nach neuen „Spielerinnen“. Trotzdem wollen wir jungen Talenten aus dem eigenen Verein immer die Möglichkeit geben, sich bei uns zu zeigen, das hat in den letzten Jahren immer gut funktioniert.

Mit welchen Argumenten überzeugt ihr potenzielle Neuverpflichtungen?

Ich denke, dass die Leistungen des Teams und die Stimmung in der Mannschaft für sich sprechen. Natürlich ist die Nähe zu Oldenburg ein großer Bonus. Durch die Unterstützung der Sponsoren ist es für uns möglich viele tolle Aktionen und Annehmlichkeiten für die Spielerinnen zu schaffen, die es vielleicht nicht überall auf diesem Niveau gibt. Diese Zusammenarbeit mit den Sponsoren beruht auf eine langjährige Treue und Zuverlässigkeit, gerade in Krisenzeiten, wie zuletzt während der Pandemie, merken wir diesen Support. Außerdem geht es für mich nie darum, jemanden von etwas zu überzeugen, sondern eher eine Begeisterung für eine Sache zu schaffen. Denn Handball spielen soll Spaß machen! Gerade auf unserem Niveau muss man viel Zeit investieren, deshalb sollte man nie vergessen, warum man diesen Sport liebt.

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Gibt es Spielerinnen in deiner Mannschaft, denen du auf längere Sicht den Sprung in 3. Liga zu traust?

Die 3. Liga ist natürlich ein ganz anderes Niveau. Es gibt auch einige Spielerinnen bei uns, die schon Erfahrungen auf diesem Niveau gesammelt haben. Trotzdem mache ich mehr wenig Gedanken darum, wer in der 3. Liga bestehen könnte. Wir spielen in der Oberliga, daher denke ich vor allem darüber nach, wie ich meine Spielerinnen unterstützen kann, damit sie ihr persönliches Maximum in der Oberliga erreichen können.

Wird die SG Fri/Pe in Zukunft auch das Ziel 3. Liga ausrufen?

Nein. Wir wollen uns weiterentwickeln und bodenständig bleiben. Gerade die letzte Saison hat mir gezeigt, wie schnelllebig der Sport ist und ganz viel zusammenpassen muss, um über einen langen Zeitraum konstant gute Leistungen abzurufen. Ich wünsche mir, dass wir von Verletzungen verschont bleiben und weiter konstant an uns arbeiten können. Die 3. Liga spielt in unseren Überlegungen keine Rolle. Es gibt andere Mannschaften in der Liga, die definitiv andere Ansprüche haben. Wir spielen Handball und lieben den Sport, über den Rest machen wir uns nicht viele Gedanken.

Abschließend noch eine etwas andere Frage. Psychische Gewalt und schwere Anschuldigungen. Der Frauenhandball war in den vergangenen Wochen vor allem aufgrund der Geschehnisse in Dortmund in den Medien präsent. Du bist schon einige Jahre Trainer und hast verschiedene Altersklassen gecoacht. Wie können sich Spielerinnen vor solchen Dingen schützen? Ist es überhaupt möglich, dass so etwas nicht mehr passiert?

Gewalt, egal in welcher Form, darf im Sport und allgemein im Leben nicht toleriert werden. Im Sport sollten sich alle Spielerinnen in einem sicheren und geschützten Umfeld bewegen können. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die Mut haben Dinge anzusprechen, jedoch sollte niemand vor dieser Wahl stehen müssen. Unsere Gesellschaft muss sich weiter wandeln. Gewalt darf keine Rolle spielen und niemand sollte unter Ängsten leiden, die durch andere ausgelöst werden. Ich kann als Trainer nur meinen kleinen Kosmos beeinflussen, trotzdem muss jeder einzelne seinen Teil dazu beitragen, um eine gewaltfreie Gesellschaft zu fördern. Daher sind Kommunikation und Empathie wichtige Mittel, um die Sportlerinnen möglichst gut zu begleiten. Ich glaube, dass Menschen am meisten lernen können und ihre beste Leistung in einem sicheren, wertschätzenden und rücksichtsvollen Umfeld abrufen können.

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