Herbert Müller Thüringer HC

Foto: Jörg Dembinski

Endlich ist es so weit! Der Thüringer HC startet mit einem Auswärtsspiel in die Saison 2022/23. Mehrere Vorbereitungsspiele und Turniere hat der THC seit Anfang Juli absolviert und sich dabei mit nationalen und hochkarätigen internationalen Spitzenmannschaften aus Tschechien, Rumänien und Polen gemessen.

Die Bilanz kann sich sehen lassen und um es kurz zu machen, kein Spiel ging verloren. All das zählt nun nicht mehr, jetzt geht es nur noch um Messbares. Mit den Spielen und Siegen aus der Vorbereitungsphase zeigte sich Herbert Müller zufrieden, auch wenn er sich “einen weiteren übermächtigen Gegner“ gewünscht hätte, “der uns mal so richtig einen überbrät, nur um zu sehen, wo stehen wir tatsächlich”. Der Thüringer HC hat ein sehenswertes und anstrengendes Bundesligaprogramm vor sich, startet im DHB-Pokal und zeigt sich in der EHF European League auf internationalem Parkett. Doch zuvor musste das Team schwitzen: “Die ersten drei bis vier Wochen hatten wir eine sehr schweißtreibende Athletikvorbereitung, wo sehr viele Laufeinheiten, sehr viel Kraft und Schnelligkeitstraining auf dem Programm stand. Athletik ist nie etwas, was Handballern, die gern den Ball werfen, mit allergrößter Freude machen.” Aus diesem Grund stellte er das Training um und ließ entgegen seiner Planung und den Erfahrungen der letzten Jahre schon früher mit Ball trainieren. Mit dem aktuellen Stand der Mannschaft zeigt er sich zufrieden und freut sich auf die endlich beginnende Saison.

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Insgesamt galt es für Herbert und Helfried Müller neun, wenn man Torhüterin Irma Schjött noch mal mitrechnet, sogar zehn Spielerinnen in den Kader einzubinden, dazu drei Nachwuchsspielerinnen an das geforderte hohe Niveau heranzuführen. Eine Mammutaufgabe für das Trainergespann. Umzüge waren zu bewältigen, Sprachbarrieren zu überwinden, Mentalitäten sowie Stärken und Schwächen jeder einzelnen Spielerin herauszufinden und einen schlagkräftigen Kader zu formen, der die gesteckten Ziele erreichen will. Dazu sagt der Trainer: “Wenn eine Mannschaft neu zusammengewürfelt wird, dann beginnt erst einmal ein sehr interessanter und spannender Kennenlernprozess. Ich muss sagen, dass ich hellauf begeistert bin, wie die Alten die Neuen empfangen haben und die Neuen sich hier eingebracht haben. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Es war schön zu sehen, wie hier Schritt für Schritt, was heranwächst.”

Der VfL Oldenburg musste vier Abgänge verkraften und konnte sich mit nur zwei Neuzugängen verstärken. Die erfahrene Julia Renner steht bei den Norddeutschen nicht mehr im Tor und verkündete ihr Karriereende. Die Niederländerin Isabelle Jongenelen verließ den Verein in Richtung Türkei. Natascha Buhl wechselte nach Sachsen zum Ligakonkurrenten Zwickau. Abgänge, die dem VfL schon wehtun.

Die Lücke im Tor wurde mit der US-Nationaltorhüterin Sophie Fasold geschlossen, die vom TSV Nord/Harrislee nach Oldenburg wechselte. Am Kreis verpflichtete der VfL Lena Feiniler von den Kurpfalz Bären Ketsch. Damit steht den Norddeutschen ein Kader von 13 Spielerinnen zur Verfügung. In der Vorbereitungszeit gewann der Pokal Zweite von 2022 gegen den niederländischen Meister aus Venlo und setzte ein Achtungszeichen.

Trotzdem begann die Saison für den VfL Oldenburg mit einer Niederlage. Im Spiel um den Supercup 2022 musste das Team von Trainer Niels Bötel eine 26:38-Niederlage gegen die SG BBM Bietigheim einstecken. Torgefährlich zeigten sich Kathrin Pichlmeier und Toni-Luisa Reinemann gegen den Ligaprimus. Beide Spielerinnen erzielten je sechs Feldtore. Luisa Knippert erzielte sieben Tore, davon vier Strafwürfe. In den Griff zu kriegen ist auch Meike Schirmer, die mit ihrer Länderspiel- und Auslandserfahrung zum Herz der Mannschaft gehört. Nach knapp drei Jahren Pause wird Kim Birke vorübergehend das grüne VfL-Trikot überziehen, um mit ihrer Erfahrung die Verletzungsmisere bei den Oldenburgerinnen zu kompensieren. 14 Jahre gehörte zu den Führungsspielerinnen des VfL. Die Oldenburgerinnen können also auf eine starke Angriffsformation zurückgreifen, deren Aktionsradius eingeschränkt werden muss.

Die Reise in den Norden nimmt Herbert Müller nicht auf die leichte Schulter. Oldenburg hat sich immer als unangenehmer Gegner gezeigt und so weist er darauf hin: “In Oldenburg wird es sicher ein schwerer Start.” Der Thüringer HC wird in dieses erste Saisonspiel mit dem nötigen Selbstbewusstsein gehen und es wäre gut, mit zwei Punkten auf der Habenseite die Heimfahrt anzutreten. “Ich hab den Mädels gesagt, dass sie frei von der Seele weg spielen und gar keinen Druck empfinden, auch wenn das Auftaktprogramm schwierig ist.” Schon in der kommenden Woche wartet das nächste Brett mit Buxtehude und am dritten Spieltag steht Metzingen in den Startlöchern. Sicher hätte sich der THC ein einfacheres Startprogramm gewünscht und so betont er seiner Mannschaft gegenüber “das Schönspielerei null gefragt ist. Ich will das wir einfach in das Spiel gehen und alles, was wir in uns drin haben, reinwerfen.“ Ein guter Saisonstart ist wichtig. Herbert Müller rechnet mit einem starken Gegner. Er schätzt Oldenburgs Coach Niels Bötel und hält ihn für einen “innovativen Trainer”, der mit seinen Damen immer für eine Überraschung gut ist und immer was versucht.

Herbert Müller will den THC-Fans eine Mannschaft präsentieren, die sich zerreißen wird, und fordert dennoch Geduld zu haben. Als Ziel gibt er aus, dass er und sein Team oben mitmischen will. Der SG BBM Bietigheim traut er wie in der letzten Saison einen Durchmarsch zu, um die folgenden Plätze will er mitkämpfen, ohne “diese Mannschaft unter Druck zu setzen”.

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