Foto: Hans-Christian Wagner

Zum Abschluss der Englischen Woche unterlagen die Zweitliga-Handballerinnen des ESV 1927 Regensburg denkbar knapp mit 30:31(17:17) beim Aufstiegskandidaten HSV Solingen/Gräfrath. Nach einer bärenstarken Leistung hätte der Aufsteiger aus der Oberpfalz mindestens einen Punkt verdient gehabt, durfte sich aber als moralischer Sieger fühlen.

Für die dritte Zweitliga-Begegnung innerhalb acht Tagen war eigentlich nichts Gutes zu erwarten, denn das Hinspiel in eigener Halle hatte der ESV Ende November noch krachend mit 21:37 gegen den HSV Solingen/Gräfrath verloren. Zudem hatten die Bunkerladies drei Tage zuvor bei der 21:29-Heimniederlage gegen den HC Leipzig noch saft- und kraftlos gewirkt. Trainer Csaba Szücs war sich aber sicher, dass sich sein Team beim nächsten Auftritt anders präsentieren würde. Der erfahrene Coach sollte Recht behalten und hatte im Vergleich zum Wochenspiel wieder Schlüsselspielerin Franziska Peter zur Verfügung. Die Regensburgerinnen starteten motiviert in die Partie, wurden aber durch eine überzogene frühe Zeitstrafe gegen Linkshänderin Peter nach etwas über zwei Minuten gleichmal dezimiert.

Der Tabellenfünfte aus der Oberpfalz kämpfte sich ohne vorherige gelbe Karte in der Anfangsviertelstunde durch zwei weitere Dezimierungen, da der Ball sehr gut lief und die Verwertung der Chancen hervorragend war. Ein Doppelschlag der glänzend aufgelegten Amelie Bayerl bedeutete die 16:12-Führung nach 24 Minuten und die Zuschauer in der Solinger Klingenhalle rieben sich verwundert die Augen. Der Aufstiegskandidat aus Nordrhein-Westfalen blieb aber gefährlich und die Nervenstärke der Liga-Topscorerin Vanessa Brandt, die ihren 216 Treffern im Spielverlauf weitere zwölf hinzufügen sollte, hielt sie im Rennen. Kurz vor dem Seitenwechsel fing sich der Gast von der Donau noch die zweite Zeitstrafe gegen Franziska Peter ein und der 17:17-Pausenstand war aus ESV-Sicht etwas ärgerlich.

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Nach Wiederanpfiff blieben die Bunkerladies immer knapp in Front, da ihnen immer wieder gute Lösungen gegen die nun als 5:1-Deckung agierende Solinger Hintermannschaft einfielen. Mitte des zweiten Durchgangs ärgerten sich die ESV-Verantwortlichen dann über einige ausbleibende Pfiffe und konnten die Vorteilsauslegung der Unparteiischen in harter Bedrängnis überhaupt nicht nachvollziehen. Solingen/Gräfrath bekam dadurch Kontergelegenheiten und ging in der 49. Minute mit 26:24 in Führung.

Der ESV kämpfte sich immer ran und hatte bei einem Geschoss von Nicole Lederer – der Ball war nach dem Kontakt mit der Latte offenbar nicht mit vollem Umfang über der Torlinie – einfach nur Pech. Solingen war bei seinen Rückraumwürfen etwas mehr mit Fortuna im Bunde und sicherte sich so einen 31:30-Erfolg. Der war nicht nur aus ESV-Sicht schmeichelhaft, auch Solinger Offizielle hatten Regensburg mindestens auf Augenhöhe gesehen.

„Im Gegensatz zum Leipzig-Spiel können und brauchen wir uns heute nicht an die eigene Nase fassen. Für mich war das heute – gerade unter diesen Vorzeichen – die wahrscheinlich beste Saisonleistung“, lobte der Sportliche Leiter Robert Torunsky den Auftritt. „Dass wir mit der Vorteilsauslegung und der Verteilung der Zeitstrafen – Solingen kann mit der offensiven Deckung einfach nicht nur eine Hinausstellung nach Wiederanpfiff erhalten – nicht einverstanden waren, haben die meisten Beobachter nachvollziehen können“, sagte Torunsky. Auch Csaba Szücs hätte seinem Team das verdiente Erfolgserlebnis gegönnt.

„Die Mannschaft hat eine Reaktion auf das Leipzig-Spiel gezeigt, super gespielt und zum wiederholten Male nachgewiesen, dass sie an einem guten Tag auch mit den Spitzenteams der Liga mithalten kann“, lobte der Trainer sein im ersten Moment sehr enttäuschtes Team. Auf der langen Heimfahrt nach Bayern war die Stimmung aber schon wieder gut und die Bunkerladies durften sich mit dem Stolz auf die überzeigende Vorstellung als Sieger der Herzen fühlen.

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