Foto: Mario M. Koberg/SPEEDPhotos.de

Ohne mehrere Leistungsträgerinnen und Trainer Csaba Szücs waren die Zweitliga-Handballerinnen des ESV 1927 Regensburg an die dänische Frenze zum TSV Nord Harrislee gereist. Kurzfristig konnte auch Golagetterin Franziska Peter nicht eingesetzt werden. Trotz aller Widerstände standen Bunkerladies lange Zeit vor etwas Zählbarem: In der Schlussphase hatten die Gastgeberinnen aber etwas mehr Spielglück und holten sich den 33:30(17:17)-Erfolg.

Bereits die Trainingswoche stand nach vielen Ausfällen unter dem Oberbegriff „Improvisation“. Erst meldete sich Kreisläuferin Sara Mustafic ab, kurz vor dem Training am Montag ereilte Cheftrainer Csaba Szücs die Nachricht eines positiven Testergebnisses. Dazu verzögert sich weiterhin das für die Rückrunde geplante Comeback von Linksaußen Anika Bissel, die weiterhin auf ihren ersten Auftritt im ESV-Trikot warten muss, und auch für Stammkeeperin Natalia Krupa (Handverletzung) kam ein Einsatz noch zu früh.

Die Bunkerladies rückten sinnbildlich noch enger zusammen und wollten trotz der widrigen Umstände die mit knapp 900 Kilometern einfacher Strecke weiteste Auswärtsfahrt hinter sich bringen. Die PCR-Pooltestungen am Donnerstagabend sowie weitere Schnelltests vor der Abfahrt am Freitagnachmittag und am Samstagmorgen im Hotel hielten keine weiteren Hiobsbotschaften parat. Doch der nächste Nackenschlag sollte nicht lange auf sich warten lassen: Bei der Mannschaftstestung in Harrislee nur wenige Stunden vor dem Anpfiff erhielt Goalgetterin Franziska Peter ein positives Testergebnis und konnte nicht eingesetzt werden. Die Linkshänderin war beim 31:24-Hinspielerfolg mit elf Treffern die überragende Spielerin gewesen.

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So mussten Aufstellung und Taktik kurzfristig über den Haufen geworfen werden, da die einzige Linkshänderin im Rückraum und gleichzeitig Fixpunkt in der Deckung nicht mehr zur Verfügung stand. Unter der Devise „Jetzt erst recht“ wollte das vom Sportlichen Leiter Robert Torunsky betreute Team fern der Heimat trotzdem alles in die Waagschale werfen und einen Überraschungscoup landen.

Nach einer kurzen Findungsphase fanden die Oberpfälzerinnen gestützt auf einige Paraden von Johanna Ziegler besser in die Partie: Defensivspezialistin Franziska Höppe gelang in der 14. Minute das 7:5 aus ESV-Sicht. In der Folgezeit versuchten die ESV-Angreiferinnen es zu häufig mit Kreisanspielen und die Ballverluste brachten auch die Defensive etliche Male in Schwierigkeiten. Harrislee, das ebenfalls nicht in Bestbesetzung antreten konnte und Shooterin Madita Karlotta Jeß schonte, nutzte den breiteren Kader konsequent zu Tempohandball. Ein 10:5-Lauf bis zur 23. Minute ließ Böses für die tapfere Abordnung aus der Oberpfalz erahnen. Genau das Gegenteil war aber der Fall: Der ESV hatte nun eine ganz starke Phase, spielte sich hervorragende Möglichkeiten heraus und verwandelte mit Eiseskälte. Diana Stefan sorgte mit zwei Treffern auf Rechtsaußen für Entlastung und Linksaußen Johanna Brennauer mit der Sirene für den 17:17-Halbzeitstand.

In der Kabine war der Glaube, dezimiert die Punkte aus Schleswig-Holstein entführen zu können, greifbar. Nach Wiederanpfiff stellten dann auch die von der neunfachen Torschützin Amelie Bayerl angeführten Regensburgerinnen das leicht bessere Team. Durch sehr abgeklärtes Angriffsspiel lagen die Bunkerladies in der 43. Minute (24:21) und 51. Minute (27:24) mit drei Toren in Front. Die Partie hatte aber viel Kraft gekostet und die Gäste trafen, von der nun offensiveren Nordfrauendeckung und dem Tempospiel des TSV unter Dauerdruck gesetzt, die ein oder andere falsche Entscheidung und waren nicht mit Fortuna im Bunde. Nur elf Sekunden nach dem 32:30 für Harrislee gelang Nicole Lederer der Anschlusstreffer.

In der Schlussminute war der ESV gezwungen, einen Ballgewinn zu schaffen, doch das Heimteam behielt die Nerven und siegte letztlich mit 33:30. „Wenn man so lange im zweiten Durchgang führt, dann ist eine Niederlage bitter, da das Spiel zweier Teams auf Augenhöhe auch für viele neutrale Beobachter eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hatte“, bilanzierte Robert Torunsky.

„Die Mädels haben aber alles gegeben und diesmal hat der Gegner in der Schlussphase einfach keinen Fehler gemacht, das muss man dann auch anerkennen“, gratulierte er seinem gegenüber Olaf Rogge zum Sieg. ESV-Trainer Szücs, der symptomfrei zu Hause auf der Couch mitgefiebert hatte, lobte sein Team für den Kampf. „Unter diesen skurrilen Voraussetzungen war das eine bemerkenswerte Leistung.“ Ein kleiner Trost für die Regensburgerinnen, die immer noch Platz fünf im 16er-Feld bekleiden, waren die Ergebnisse aus den anderen Hallen, die den Klassenerhalt wieder ein kleines Stückchen näher gebracht haben.

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