Foto: Hans-Christian Wagner

Regensburg – Wer vor der Saison darauf gewettet hätte, dass sich am 10. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga der Frauen der ESV 1927 Regensburg und der HSV Solingen-Gräfrath 76 zum Spitzenspiel treffen würden, wäre von vielen wohl für verrückt erklärt worden. Aber er wäre auch deutlich reicher, denn am Samstagabend messen sich beim Topspiel im „Bunker“ an der Dechbettener Brücke tatsächlich der Tabellenfünfte aus der Domstadt (12:6 Punkte) und der Dritte (15:3).

Solingen-Gräfrath hatte bereits in der vergangenen Runde überzeugt: 31:21 Punkte holte die Mannschaft aus der Klingenstadt, die in ihrer Aufstiegssaison 2019/20 noch davon profitiert hatte, dass es durch den Abbruch keine Absteiger gegeben hatte. Trainerin Kerstin Reckenthäler nutzte die Chance, entwickelte Talente weiter und in Kombination mit einigen Neuzugängen wurde nur ein Jahr später ein Platz im vorderen Tabellendrittel erreicht. In der laufenden Spielzeit hat der HSV noch eine Schippe draufgelegt: Zu der herausragenden Zwischenbilanz von 15:3 Punkten hat unter anderem auch ein 27:25-Auswärtssieg bei Aufstiegsmitfavorit Frisch Auf! Göppingen beigetragen. Die einzige Niederlage gab es bei Spitzenteam Füchse Berlin (27:29), der dritte Punkt auf der Sollseite stammt von dem 26:26-Unentschieden in eigener Halle gegen den TSV Nord Harrislee.

Die Favoritenbürde liegt also bei den Gästen aus Nordrhein-Westfalen. Die Bunkerladies werden aber wie gewohnt alles reinwerfen und am liebsten für eine weitere Überraschung sorgen. Sechs Spiele ohne Niederlage in Serie, darunter vier Siege in Folge, haben für viel Selbstvertrauen beim Aufsteiger gesorgt und Abteilungsleiter Dieter Müller „einfach nur happy“ gemacht. Trainer Csaba Szücs ist stolz drauf, wie das junge Team das Maximale aus den Möglichkeiten herausholt. Für den erfahrenen Coach ist die Tabelle aber weiterhin „eine sehr schöne Momentaufnahme“, aber außer wichtigen Etappenzielen sei noch nichts erreicht: „Wir brauchen noch einige Punkte für unser Saisonziel Klassenerhalt.“ Ins gleiche Horn stößt auch der Sportliche Leiter Robert Torunsky. „Unsere aktuelle Ausgangssituation ist klasse. Aber hinter uns stehen etablierte Mannschaften, die alles daran setzen werden, in der Liga zu bleiben.“ Der letzte Spieltag allein habe eindrücklich gezeigt, dass in dieser Liga alles möglich sei und keine Duelle auf dem Papier entschieden werden. „Wir haben noch nicht einmal ein Drittel aller Partien ausgetragen und tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu denken.“

Die Euphorie im direkten Umfeld und die positive Wahrnehmung nicht nur in Bayern, sondern in ganz Handballdeutschland motivieren die Mannschaft ungemein. Deswegen ist es besonders schade, dass aufgrund der behördlichen Auflagen der „Bunker“ nicht aus allen Plätzen darf und nur 25 Prozent der verfügbaren Plätze vergeben werden dürfen.

frauenhandball.com powered by Sport | Medien | Mundt

Dennoch liegt der Heimvorteil bei den Regensburgerinnen, auf die auf beiden Seiten des Feldes viel Arbeit zukommen wird. Mit Vanessa Brandt hat der Gegner die Toptorjägerin (215/59 Tore) der 2. Liga der Vorsaison in seinen Reihen. Auch in dieser Runde hat die 22-jährige halblinke Rückraumspielerin bereits 73 Netze gemacht und liegt auf Rang zwei der Scorer. Aus dem Feld waren nach Brandt bislang Linksaußen Cassandra Nanfack (34) und die erfahrene Spielmacherin Mandy Reinarz (30) nach Brandt (47) am gefährlichsten. Solingen-Gräfrath hat aber auch in der Defensive viel zu bieten: Ex-Bundesligaspielerin Reckenthäler, die auch 18 Mal für Deutschland spielte und früh ihre aktive Karriere beenden musste, setzt auf eine offensive 6:0-Formation mit starken Keeperinnen dahinter. 

Die Bunkerladies wollen versuchen, mit ihrem Tempohandball die HSV-Deckung nicht so häufig im Verbund agieren zu lassen und wie gewohnt über alle sechs Positionen gefährlich zu sein. In der Deckung möchte das Team ein Stück weit griffiger als in der Vorwoche beim 29:28-Auswärtssieg in der Solinger Nachbarstadt Wuppertal zu sein. Wenn diese Vorhaben optimal umgesetzt werden können, liegt die nächste Überraschung im Bereich des Möglichen.

Wir freuen uns sehr, wenn euch unser Online-Angebot gefällt. Gerne könnt ihr frauenhandball.com auch mit einem kleinen Beitrag supporten. Einfach auf den Spenden Button klicken und unsere Berichterstattung via PayPal unterstützen.