Foto: Sascha Klahn / Christian Klein

Keine Frage: Die 23:42-Niederlage gegen Norwegen hat alle deutschen Handballfans ins Grübeln gebracht. Auch mit etwas Abstand war die Leistung auf der Platte einfach nur unterirdisch. Man kann gegen eine europäische Topmannschaft verlieren. Entscheidend ist aber immer die Art und Weise. Wer sich ohne Gegenwehr seinem Schicksal ergibt, muss mit deutlicher Kritik rechnen. Der sang-und klanglose Untergang gegen Norwegen war für die Außenwirkung des deutschen Frauenhandballs nicht gerade förderlich.

Muss dieser Auftritt aufgearbeitet werden? Ja! Wir dürfen sicher sein, dass Bundestrainer Henk Groener bereits intern einige Worte an seine Mannschaft gerichtet hat. Dennoch muss der Fokus auf dem weiteren Verlauf der EM liegen. Die eigentliche Aufarbeitung der Norwegen-Pleite darf dementsprechend erst nach diesem Turnier erfolgen. Während der Europameisterschaft ist keine Zeit für grundsätzliche Frage. Was machen die Spitzenteams besser? Wie kann sich der deutsche Handball weiterentwickeln? Diese Fragen müssen von den Verantwortlichen nach dem Turnier beantwortet werden. Dennoch ist schon jetzt festzuhalten, dass unsere Nationalmannschaft noch nie über den einen Topstar verfügt hat. Die Stärke unserer Nationalmannschaft war immer der Teamgeist und eine geschlossene Mannschaftsleistung.

Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Polen brauchen wir Vertrauen. Die Spielerinnen müssen an sich glauben. Auch wenn die 23:42-Niederlage gegen Norwegen innerhalb der Mannschaft sicherlich einige Spuren hinterlassen hat, haben wir genügend Qualität um dennoch ein erfolgreiches Turnier zu spielen. Wir haben erst zwei Spiele absolviert und mit einem Sieg am heutigen Montag stehen wir in der Hauptrunde.

Ja, wir haben ein unterirdisches Spiel abgeliefert und nach diesem Turnier muss wie erwähnt alles offen und ehrlich analysiert werden. Aber es ist nichts unerwartetes passiert, was auf den Verlauf des Turniers Einfluss hat. Wir haben gegen Rumänien gewonnen, gegen Norwegen verloren und werden uns heute die nächsten zwei Punkte gegen Polen holen. All das konnte man schon vor dem Turnier prognostizieren. Entscheiden über den weiteren Turnierverlauf werden die Auftritte unserer Mannschaft in der Hauptrunde.

Wir sollten also nicht den Stab über Emily Bölk & Co. brechen, sondern unsere Nationalmannschaft bis zum Schluss unterstützen. Diese Mannschaft hat noch so viel Potenzial und wird sich im weiteren Verlauf der Europameisterschaft noch steigern. Schließlich war und ist Deutschland schon immer eine Turniermannschaft gewesen!