Anders als im Fußball, erhielten die Handballvereine am Niederrhein bereits frühzeitig Klarheit. Bereits am 20. April entschied der Handballverband Niederrhein die Saison 2019/20 zu beenden. Zudem wird es in dieser Spielzeit keine Absteiger geben. Die Zahl der Aufsteiger orientierte sich an den Durchführungsbestimmungen des HVN. So dürfen sich unter anderem auch schon die Damen des Bergischen HC über den Aufstieg in die Oberliga freuen.

Ohnehin ließ der BHC in der kürzlich für beendet erklärten Saison kaum einen Zweifel daran, dass auch der vierte Aufstieg in Serie gelingen würde. In 19 Pflichtspielen verließ die Mannschaft von Lars Faßbender 16 mal das Parkett als Sieger und zeigte in zahlreichen Spielen das sie ihrer Favoritenrolle in der Verbandsliga gerecht wurden. Das ehrgeizige Projekt, eine Damenmannschaft des BHC in die Bundesliga zu bringen, nimmt also weiter Fahrt auf.

Bereits wenige Tage nach dem feststehenden Aufstieg, nahm der BHC Laura Sosnierz unter Vertrag, die zuletzt bei Zweitligist HSV Solingen-Gräfrath aktiv war und jede Menge Erfahrung mitbringen wird. Auch mit dem Transferdoppelpack von Isabell Kramer und Chrissi Vaßen, die auf der Kreisposition zum Einsatz kommen werden, bekommt der BHC-Kader frische Impulse. Darüber hinaus schreitet auch der Bau des neuen Leistungszentrums in Solingen weiter voran. Trotz der vorwiegend positiven Nachrichten rund um den Frauenhandball des BHC, gibt Sportdirektor Max Ramot eine zurückhaltende Zielsetzung für die kommende Saison aus: „Wir wollen uns in der Oberliga etablieren.“

Dieses Understatement kommt nicht von ungefähr, schließlich werden mit Natalie Funke-Kamann, Janine Held, Denise Jakubat, Henrike Reher, Miriam Spitzer und Melissa Frinker einige Spielerinnen nicht mehr zum Kader des BHC gehören. Somit muss Lars Faßbender einige Neuzugänge integrieren und seinen Kader zu einer echten Einheit formen. Gerade die höchstwahrscheinlich etwas anders verlaufene Saisonvorbereitung, wird das ganze etwas schwieriger machen.

Mit Trainer Faßbender hat der BHC jedenfalls den passenden Coach gefunden, denn der 32-jährige steht wie kaum ein anderer für eine erfolgreiche und nachhaltige Arbeit. Nach mehr als acht Jahren beim TB Wülfrath, entschied sich der Familienvater im Sommer für einen Wechsel zum Bergischen HC. In den vergangenen Wochen hat sich Lars Faßbender Zeit genommen und ausführlich über seine Arbeit beim BHC gesprochen.

Herr Faßbender, bevor wir über die sportliche Entwicklung der BHC-Damen sprechen wollen, müssen wir natürlich auch kurz ein aktuelles Thema anschneiden. Der Handballverband Niederrhein hat die Saison nun aufgrund der Coronakrise für beendet erklärt. Wie gehen Sie und Ihre Mannschaft mit der derzeitigen Situation rund um das Coronavirus um?

Es ist natürlich für alle eine ganze besondere, nie da gewesene und sehr beunruhigende Situation. Wir hatten am 13.03. das letzte Mannschaftstraining. Seitdem haben die Mädels individuelle Trainingspläne erhalten, um sich möglichst fit zu halten. Wir werden uns nun an den Acht-Stufenplan des DHB halten.

Zum Sportlichen: In der Verbandsliga standen Sie auf dem ersten Tabellenplatz und lieferten sich mit der HSG Rade/Herbeck ein packendes Duell um den Aufstieg. Wie bewerten Sie die Leistungen ihrer Mannschaft.

Die HSG Rade/Herbeck hat ebenfalls eine erwartet starke Saison gespielt. Auch den TV Ratingen habe ich im Vorfeld zum Kreis der Favoriten gezählt. Mit den Leistungen meiner Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Trotz der unbefriedigten Trainingsmöglichkeiten trainierten die Mädels sehr fleißig. Auch für mich ist es nach meiner langen und erfolgreichen Arbeit beim TB Wülfrath eine ganz neue Situation. Wir mussten uns kennenlernen und Spielideen vermitteln, das brauchte Zeit. Dazu kamen verletzungsbedingte Ausfälle, mit der jede Mannschaft rechnen muss. Unter diesen Gesichtspunkten bin ich sehr stolz und zufrieden, was wir in der ersten gemeinsamen Saison geschafft haben.

Die Planungen, den Damenhandball beim BHC innerhalb kürzester Zeit in die Bundesliga zu führen sind ambitioniert.

Die Ziele der Verantwortlichen des BHC sind sicherlich sehr ambitioniert, dennoch ist eine langsame Entwicklung ist angestrebt. Über gute Jugendarbeit, ein intaktes Vereinsleben und mehreren aufeinander aufbauenden Damenmannschaften soll ein starkes Fundament geschaffen werden.

Wie soll sich der Frauenhandball beim BHC generell entwickeln?

Anfang Mai soll der Umzug in das neue Leistungszentrum stattfinden. Das ist natürlich ein großer Schritt und eröffnet uns ganz neue Möglichkeit. Michael Kölker und die Firma Forst geben mit der neuen Sporthalle, neben den Profis des BHC, auch dem gesamten Damen- und Mädchenbereich ein neues sportliches Zuhause. Das ich mich im Vorfeld an den Planungen des Baus beteiligen durfte, war für mich eine besonders reizvolle Herausforderung, für die ich sehr dankbar bin. Perfekte Trainingsmöglichkeiten, ein großer Athletikbereich und physiotherapeutische Betreuung sollen dort genauso realisiert werden wie Hausaufgabenbetreuung für Jugendspielerinnen. Wir wollen Jugendspielerinnen frühzeitig an den Seniorenbereich heranführen und sie nach ihrem Entwicklungs- und Leistungsstand fördern. Bereits in dieser Saison haben wir in jeder Woche B-Jugendliche in das Training integriert. Felina Wille beispielsweise hat mit 16 Jahren ihr erstes Pflichtspiel im Seniorenbereich bestritten und gehörte seit einigen Wochen fest zum Kader.

Sie haben vor einigen Tagen mit der Verpflichtung von Laura Sosnierz ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Ist es machbar, mit der derzeitigen Mannschaft in der Oberliga um die vorderen Tabellenplätze mitzuspielen?

Zum Glück haben bereits viele Spielerinnen aus dem aktuellen Kader schon vor der Coronakrise ihre Zusage für die kommende Saison gegeben, dass hat unsere Planungen natürlich erleichtert. Dazu wollen wir, wie beschrieben, auch vermehrt unsere B- und A-Jugendlichen Spielerinnen in den Kader einbauen. Aber es ist auch schön zu merken das wir für andere Spielerinnen interessant sind. Mir ist es wichtig das sich alle Spielerinnen, die sich für das BHC-Trikot entschieden haben und darin auflaufen, wohlfühlen und dauerhaft dem Verein in unterschiedlichen Bereichen, Aufgaben und Mannschaften erhalten bleiben.

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